„Warum eigentlich?“ Nessa Altura sitzt 2 Monate im Pedelec-Sattel

Nessa Altura_Pedelec
Foto: Nessa Altura

Warum sind Menschen bereit, ihre Komfortzone zu verlassen?
Was treibt sie dazu an, sich Ziele zu setzen, die definitiv nicht ohne körperliche Strapazen zu erreichen sind?
„Warum eigentlich?“ ist eine häufige Frage im Umfeld, wenn man von einer Herausforderung erzählt – sei es Wandern bis zur Erschöpfungsgrenze, Klettern auf Gipfel, die bislang unerreichbar schienen, oder Fernreisen zu Fuß oder auf dem Rad statt im Swimmingpool einer Hotelanlage zu relaxen. Wir möchten von Menschen, die sich ihrer persönlichen Outdoor-Herausforderung stellen oder gestellt haben, genau das wissen: „Warum eigentlich?“

Heute fragen wir: Nessa Altura, Autorin

Nie ist ein Schlaf erholsamer als der, der mit einer solchen Anstrengung auch verdient wurde. 

Wie sieht deine persönliche Herausforderung genau aus?

Mein Mann, ein gemeinsamer Freund und ich, wir wollen mit dem Pedelec von Canterbury nach Rom radeln. Das ist der alte „Francigena“-Pilgerweg, den man in Deutschland den „Frankenweg“ nennt. Er führt via Nordfrankreich und die Schweiz über den Großen Sankt Bernhard (Passhöhe ca. 2.500m) durch das Aostatal nach Oberitalien und dann weiter durch die Toskana nach Rom. Alles ist geplant mit Zelt und dem gesamten Gepäck auf dem Rad, ca. 2400 km. Das werden zwei Monate ohne den gewohnten Komfort sein, mit viel Ausgesetztsein, was böses Wetter und andere unvorhergesehene „hardships“ anbelangt.  Außerdem streben wir schlichte Pilgerquartiere an – Klöster, Pfarrhäuser, Hospize. Auch das gehört dazu, ist Teil der Aufgabe, macht auch Spaß. Jedenfalls hinterher. Und was auch schön ist: Nie schmeckt ein Bier oder ein Steak besser, nie ist ein Schlaf erholsamer als der, der mit einer solchen Anstrengung auch verdient wurde.

Setzt du dich mit der Frage „Schaffe ich das überhaupt?“ auseinander? Macht dir die Möglichkeit, dein Ziel vielleicht nicht zu erreichen, Sorgen?

Nein, ich bezweifle nicht, dass ich das schaffen kann, obwohl ich nicht besonders trainiert bin. Nach meiner Erfahrung sind die ersten Tage im Sattel hart, aber man entwickelt die Muskeln, die man braucht, ziemlich schnell. Dadurch, dass die Anfangswochen eher in flachem Gelände verlaufen, bin ich sehr zuversichtlich. Bis zum Jura hin werde ich ganz sicher ganz brauchbare Beinmuskeln haben. Und wenn man nicht weiter kann, dann schaltet man eben den kleinen Elektromotor zu. Aber natürlich wird der Pass ein Höhepunkt, auf den man sich auch mental tagelang vorbereiten muss. Da heißt es dann schon die Zähne zusammenbeißen …

Wie gehst du mit Sorgen vor dem Scheitern um?

Ich halte mich immer gerne an das Sprichwort We cross the bridge when we get there.

„Warum eigentlich?“ – Was ist dein Antrieb, deine persönliche Herausforderung in Angriff zu nehmen?

Der eigentliche Grund ist, dass unser Leben in ein neues Stadium kommt – auf der Seite, die hinter uns liegt, stehen Beruf und viel ehrenamtliches kommunalpolitisches Engagement. Und auf derjenigen, die kommt ,die große Freiheit ohne terminliche Verpflichtungen. Diese Zäsur soll irgendwie markiert werden. Und da sind zwei Monate tägliche körperlich Inanspruchnahme ein gutes Mittel, um Abstand zu gewinnen. Was der Unternehmung Statur und Charakter verleiht, ist die Tatsache, dass man mit dieser Pilgerreise in einer 1.000 Jahre alten Tradition steht. Die Francigena [sprich: Frantschitschena] wird erstmals vom Erzbischof Sigeric von Canterbury im Jahre 994 ausführlich beschrieben. Man fühlt sich als Glied einer langen Kette, die einen zugleich fordert und hält. Und wie jeder, der es gemacht hat, schon selbst erfahren hat: Auf dem Rad erlebt man die Landschaften intensiver, riecht und spürt die Natur, ist dichter an den Menschen. Was für mich noch dazu kommt: Ich war schon an vielen Orten auf dieser Erde, aber seltsamerweise noch nie in Rom. Die Ewige Stadt als Endpunkt und Krönung – da freue ich mich sehr darauf.

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