„Warum eigentlich?“ Karin Myria Pickl reist mit dem Rucksack um die Welt – allein

Foto: Karin Myria Pickl in einem Tempel auf Bali
Foto: Karin Myria Pickl in einem Tempel auf Bali

Warum sind Menschen bereit, ihre Komfortzone zu verlassen? 
Was treibt sie dazu an, sich Ziele zu setzen, die definitiv nicht ohne körperliche Strapazen zu erreichen sind? 
„Warum eigentlich?“ ist eine häufige Frage im Umfeld, wenn man von einer Herausforderung erzählt – sei es Wandern bis zur Erschöpfungsgrenze, Klettern auf Gipfel, die bislang unerreichbar schienen, oder Fernreisen zu Fuß oder auf dem Rad statt im Swimmingpool einer Hotelanlage zu relaxen. Wir möchten von Menschen, die sich ihrer persönlichen Outdoor-Herausforderung stellen oder gestellt haben, genau das wissen: „Warum eigentlich?“

Heute fragen wir: Karin Myria Pickl, Fachjournalistin und Autorin

„Ich folgte meiner Sehnsucht, einem Herzensruf … und bin sehr dankbar, dass ich den Mut hatte, darauf zu hören.“ 

Wie sah deine Herausforderung genau aus?

Mein Traum war, sechs Monate auf eine Weltreise zu gehen – alleine, nur mit dem Rucksack. Es zog mich vor allem in die Himalaya-Region nach Ladakh, Nepal und Tibet, aber auch nach Indonesien, Sri Lanka, Australien und in die USA. Das Highlight und die größte Herausforderung dieser Reise war eine 3-wöchige Trekking-Tour durch Nepal und Tibet mit der traditionellen 3-tägigen Kora (Umrundung) des Mount Kailash – der heilige Berg der Tibeter.

Hast du dich mal mit der Frage „Schaffe ich das überhaupt?“ auseinandergesetzt? Und hat dir die Möglichkeit, dein Ziel vielleicht nicht zu erreichen, Sorge gemacht?

Ja, diese Frage ich mir oft gestellt, immer wieder bis zum Abflug. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, ob ich die Reise insgesamt gut schaffen und ob ich die Trekking-Tour konditionell durchhalten werde, ob ich überhaupt so lange alleine unterwegs sein kann oder Heimweh bekomme, wie es mir gesundheitlich gehen und ob mein Geld reichen wird … Unzählige Fragen gingen mir durch den Kopf. Außerdem war ich gerade frisch verliebt. Ich lernte meinen damaligen Freund in der Vorbereitungsphase kennen, als sich der Traum der Weltreise in mir jedoch schon so gefestigt hatte, dass ich ihn nicht mehr aufgeben wollte. Doch ich fragte mich natürlich, ob unsere junge Beziehung diese Feuerprobe bestehen wird. (Sie hat es übrigens nicht. Wir blieben zwar über die Zeit verbunden, er hatte mich auch auf Bali und in Kalifornien besucht, doch kurz nach meiner Rückkehr kam es doch zur Trennung. Im Nachhinein betrachtet war das jedoch auch gut so.)

Es gab also viele kleinere und größere Fragen und Sorgen rund um die Reise, doch ich stellte meinen Plan nie generell in Frage. Diese Reise hat sich von Anfang an so gut und richtig angefühlt, dass sich meine Sorgen in Grenzen hielten. Außerdem klärten sich alle auftauchenden Fragen und Probleme recht schnell. Das hat mein gutes Gefühl weiterhin bestärkt.

Nur kurz vor dem Abflug hatte ich ein paar Tage richtig Muffensausen und Zweifel. Es war wohl die Angst, den ersten Schritt jetzt tatsächlich zu gehen. Doch zu diesem Zeitpunkt war schon alles fest geplant und die Flüge gebucht – es gab kein Zurück mehr. Zum Glück! Als ich endlich im Flugzeug saß, waren alle Bedenken weg und die Freude riesengroß.

 Wie bist du mit dieser Sorge umgegangen?

Soweit es mir möglich war, habe ich Vorsorge getroffen: Ich sprach mit erfahrenen Rucksack-Reisenden, habe mich im Internet informiert, packte alle nötigen Adressen und Medikamente ein, kannte wichtige Ansprechpartner vor Ort, hatte mein Handy dabei ... Außerdem gab es von fast jedem Ort aus die Möglichkeit, ins Internet zu gehen. So hätte ich mir jederzeit Hilfe holen können. Außerdem erlaubte ich mir, die Reise vorzeitig abzubrechen, sollte ich mich gar nicht wohlfühlen oder größere Probleme haben. Doch das war Gott sei Dank nicht nötig.

Von meinem damaligen Hauptjob in einer PR-Agentur war ich für die sechs Monate freigestellt und für eine andere Kundin konnte ich sogar von unterwegs aus schreiben, was mir sehr geholfen hat. Meine Wohnung hatte ich möbliert untervermietet, nur meine persönlichen Sachen in den Keller gepackt. Es hatte sich eben alles wunderbar gefügt und meine Sorgen sind schnell wieder verschwunden. 

„Warum eigentlich?“ – Was war dein Antrieb, deine persönliche Herausforderung in Angriff zu nehmen?

Ich folgte meiner Sehnsucht, einem Herzensruf … und bin sehr dankbar, dass ich den Mut hatte, darauf zu hören. Denn die Reise hat mein Leben äußerst positiv verändert. Es ist mir generell sehr wichtig geworden, auf mein Herz zu hören. Mein Vater starb mit nur 58 Jahren. Er hatte seine Träume immer aufgeschoben und auf den Ruhestand gewartet. Als er endlich in Rente ging, konnte er seinen Lebensabend gerade mal noch drei Monate genießen – dann ist er gestorben. Diese Erfahrung hat mich sehr bewegt und mich gelehrt, viel mehr im Augenblick zu leben und meine Träume nicht aufzuschieben, sondern sie jetzt umzusetzen. Bei der Weltreise wusste ich auch: Wenn, dann jetzt!

Weitere Fotos von der Weltreise gibt es hier: www.lebensreisen.wordpress.com/meine-weltreise-2004-2005
Das Lebensreisen-Magazin – ein kleines, alternatives Reisemagazin – hat Karin Myria Pickl auf dieser Weltreise entwickelt.(„Lebensreisen“ ist auf Facebook zu finden.)

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