„Warum eigentlich?“ Britta Freith beginnt zu klettern

Britta Freith findet, rainieren kann man überall (und warnt: Vorsicht, Dachrinnen sitzen meist locker.) Foto: Eva Brandecker*
Britta Freith findet, Trainieren kann man überall (und warnt: Vorsicht, Dachrinnen sitzen meist locker!).
Foto: Eva Brandecker*

Warum sind Menschen bereit, ihre Komfortzone zu verlassen? 
Was treibt sie dazu an, sich Ziele zu setzen, die definitiv nicht ohne körperliche Strapazen zu erreichen sind? 
„Warum eigentlich?“ ist eine häufige Frage im Umfeld, wenn man von einer Herausforderung erzählt – sei es Wandern bis zur Erschöpfungsgrenze, Klettern auf Gipfel, die bislang unerreichbar schienen, oder Fernreisen zu Fuß oder auf dem Rad statt im Swimmingpool einer Hotelanlage zu relaxen. Wir möchten von Menschen, die sich ihrer persönlichen Outdoor-Herausforderung stellen oder gestellt haben, genau das wissen: „Warum eigentlich?“

Heute fragen wir: Britta Freith, die beruflich textet, konzeptioniert und multimediale Inhalte produziert und unter Bessere Inhalte bloggt

Ich kann da oben nicht an andere Dinge denken. Das fokussiert mich, es ist körperlich und meditativ zugleich.“

Wie sieht deine Herausforderung genau aus? 

Ich bin schon immer gern geklettert: Als Kind auf Bäume, als junge Frau zwischen den Scheinwerfern der Schnürböden (so nennt man den „Himmel“ über einer Theaterbühne), seit einiger Zeit am Seil gesichert in der Kletterwand. Mit 43 Jahren habe ich endlich meinen ersten Kletterkurs gemacht – weil ich das immer schon wollte. Klar, am liebsten könnte ich Freeclimbing, aber ich hänge am Leben und bin auch nicht so durchtrainiert, dass ich das könnte. Aber beim Klettern werde ich immer besser. Es dauert allerdings länger, als wäre ich 25 Jahre jünger. 

Hast du dir zwischendurch mal überlegt, das Handtuch wieder zu werfen? 

Wäre ich erst Anfang 30, hätte ich das wohl schon gemacht. Denn alles, was jünger und trainierter ist als ich, kommt so viel schneller die Wand hoch! Das kann frustrieren. Eher aus der Puste als jüngere bin ich auch. Und wenn ein zwanzigjähriger, sportlicher Mann erst mal anfängt zu bouldern (Der Deutsche Alpenverein zeigt zum Beispiel beeindruckende Bilder vom Boulder Worldcup), ist der innerhalb weniger Wochen so fit an der Wand, dass ich nur noch aussehen kann wie eine alte Säckin. So kommt es mir wenigstens mitunter vor. Dann denke ich schon mal: „Was will ich hier eigentlich?“ Aber ich habe noch nie erlebt, dass beim Klettern abgewertet oder negativ verglichen wird, man bekommt eher gute Tipps. Und darum bringt es Spaß und frustriert nicht. 

Was treibt dich dazu an, weiterzumachen? 

Tatsächlich mein Alter. Mir ist meine Leistung beim Klettern piepegal – ich gucke nicht auf andere. Das wäre anders, wäre ich noch jünger. Aber Leistungssport will ich nicht betreiben. Ich genieße das Gefühl, die Wand hochzukommen. Man kann in der Halle sehr einfach verschiedene Routen klettern und daran messen, wie sehr man sich gesteigert hat. Wenn ich regelmäßig einmal in der Woche zum Klettern gehe (das schaffe ich nicht immer), werde ich ganz schnell besser. Das ist total toll. Zu merken, dass ich die Strecke, an der ich vergangene Woche noch scheiterte, jetzt hinbekomme, weil ich auf einmal weiß, wie ich mich eindrehen, wie ich Schwung holen muss. Und auch, dass ich wohl doch mehr Muskeln bekomme, weil ich plötzlich mehr Kraft in Armen und Fingern habe. 

„Warum eigentlich?“ – Was ist dein Antrieb, deine persönliche Herausforderung in Angriff zu nehmen?

Es macht mich glücklich. Es hat nur mit mir selbst zu tun. Ich kann da oben nicht an andere Dinge denken, weil ich an die Kletteraufgabe denken muss. Es geht nur um den nächsten Schritt. Das fokussiert mich, es ist körperlich und meditativ zugleich. Wenn ich ein Kartoffelbeet umgrabe, ist das zwar auch körperlich und verausgabend, aber ich kann noch an andere Dinge denken. In der Wand kann ich das nicht mehr. Da sehe ich nur den nächsten Griff vor mir und spüre meinen Körper.

Mein nächster Schritt: Eine(n) weitere(n) Kletterpartner(in) auf etwa gleichem Level finden und öfter zum Klettern gehen. Und unbedingt mal am echten Felsen klettern.

*Fotografin: Eva Brandecker

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