„Warum eigentlich?“ Meik Zimmermann taucht zum ersten Mal deutlich tiefer als gewohnt

Foto: Meik Zimmermann
Foto: Meik Zimmermann

Warum sind Menschen bereit, ihre Komfortzone zu verlassen?
Was treibt sie dazu an, sich Ziele zu setzen, die definitiv nicht ohne körperliche Strapazen zu erreichen sind?
„Warum eigentlich?“ ist eine häufige Frage im Umfeld, wenn man von einer Herausforderung erzählt – sei es Wandern bis zur Erschöpfungsgrenze, Klettern auf Gipfel, die bislang unerreichbar schienen, oder Fernreisen zu Fuß oder auf dem Rad statt im Swimmingpool einer Hotelanlage zu relaxen. Wir möchten von Menschen, die sich ihrer persönlichen Outdoor-Herausforderung stellen oder gestellt haben, genau das wissen: „Warum eigentlich?“

Heute fragen wir: Meik Zimmermann, Leiter des Fort- und Weiterbildungsinstituts IWKS in Olpe

„Stress in Respekt vor der Situation und Selbstkontrolle zu transformieren, ist ein tolles Gefühl“

Wie sah deine Herausforderung genau aus?

Ich tauche seit einigen Jahren. In einem Ägyptenurlaub hab ich mal den Tauchschein gemacht, und damals war ich sofort angefixt. Meterweit unter der Wasseroberfläche zu sein, dabei cool zu bleiben und sich auf seinen Geist und Körper zu konzentrieren, das in Verbindung mit dem Gefühl der Schwerelosigkeit zum einen und dem Betrachten der faszinierenden Unterwasserwelt zum anderen – das ist aufregend und entspannend zugleich.

Foto: Meik Zimmermann
Foto: Meik Zimmermann

Seit ich „Advanced Open Water Diver“ war, war ich immer bis maximal 30 Meter tief getaucht, das entspricht der Tiefe, für die ich ausgebildet war. Meine Herausforderung bestand darin, zum ersten Mal fast 50 Meter tief zu tauchen. Das ist für erfahrene Taucher nichts Besonderes, für mich hieß das zu dem Zeitpunkt aber, meine damalige persönliche Tiefstmarke direkt um fast 20 Meter zu knacken. Und davor hatte ich Respekt.

Das passierte, ohne dass ich es groß geplant hätte. An dem Tag, an dem ich meine Herausforderung annahm, war ich im Tauchurlaub auf Gozo. Morgens, bevor es mit den jeweiligen Tauchgruppen zu den verschiedenen Tauchplätzen ging, wurde ich lediglich gefragt, ob ich Lust hätte, mal tiefer als sonst zu tauchen. Das war für mich so eine „Jetzt oder nie“-Situation. Groß zu überlegen und Vor- und Nachteile abzuwägen, hätte zu lange gedauert – ich sagte zu.

Hattest du denn Zeit, dich mit der Frage „Schaffe ich das überhaupt?“ auseinanderzusetzen? Und hat dir die Möglichkeit, dein Ziel vielleicht nicht zu erreichen, Sorge gemacht?

Ja, hat es. Ich wusste nicht so wirklich, wie sich die neue Tiefe anfühlen würde. Dennoch habe ich den Gedanken daran, ob ich das überhaupt schaffen würde, zu verdrängen versucht. Hätte ich zum Beispiel wegen Angst aufgegeben, hätte die komplette Tauchgruppe wegen mir mit auftauchen müssen. Also hab ich mir Sorgen darüber gemacht, wie ich mich wohl verhalten werde, wenn es nicht funktioniert, wenn ich die Orientierung verliere, Panik bekomme oder so.

Es war schon so, dass ich die ganze Fahrt zum Tauchplatz dachte: „Oh je, worauf hast du dich da eingelassen?“ Persönlich wäre das natürlich auch eine Niederlage gewesen, die mich sicher sehr geärgert hätte.

Und wie hast du diese Sorge überwunden?

Überwunden habe ich sie vorher gar nicht wirklich. Wenn es gar nicht mehr gegangen wäre, hätte ich dem Tauchguide natürlich Bescheid gegeben und die Schmach der persönlichen Niederlage auf mich genommen. Der vorherrschende Gedanke war aber: Da musst du durch!

„Warum eigentlich?“ – Was war dein Antrieb, deine persönliche Herausforderung in Angriff zu nehmen?

Adrenalin, pures Adrenalin, das ich ab dem Moment, ab dem mir klar war, dass es heute tiefer gehen wird, gespürt habe. Und genau diese Anspannung unter Kontrolle zu halten, in einer Tiefe, die ich bisher noch nicht kannte, noch bewusster cool zu bleiben, noch bewusster auf sich zu achten, rational handeln und sich dennoch von den neuen Eindrücken und Erfahrungen treiben zu lassen, das war der Grund für die Herausforderung. Und, was soll ich sagen, es war großartig, ohne Angst, immer völlig cool geblieben, es zu schaffen. Stress in Respekt vor der Situation und Selbstkontrolle zu transformieren, ist ein tolles Gefühl und hat mich wieder ein kleines Stückchen näher zu mir selbst gebracht.

Nie werde ich diese entspannte Selbstsicherheit vergessen, als es dann wieder langsam nach oben ging.

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