„Warum eigentlich?“ Ines Balcik und Daniela Schrank schwimmen von Asien nach Europa

Foto: Ines Balcik
Foto: Ines Balcik
Foto: Daniela Schrank
Foto: Daniela Schrank

„‚Warum eigentlich nicht?‘ war die Frage, die ich mir gestellt habe“ (Daniela Schrank)

Warum sind Menschen bereit, ihre Komfortzone zu verlassen?
Was treibt sie dazu an, sich Ziele zu setzen, die definitiv nicht ohne körperliche Strapazen zu erreichen sind?
„Warum eigentlich?“ ist eine häufige Frage im Umfeld, wenn man von einer Herausforderung erzählt – sei es Wandern bis zur Erschöpfungsgrenze, Klettern auf Gipfel, die bislang unerreichbar schienen, oder Fernreisen zu Fuß oder auf dem Rad statt im Swimmingpool einer Hotelanlage zu relaxen. Wir möchten von Menschen, die sich ihrer persönlichen Outdoor-Herausforderung stellen oder gestellt haben, genau das wissen: „Warum eigentlich?“

Heute fragen wir: Ines Balcik, Lektorin, und Daniela Schrank, Fachjournalistin.
Beide Frauen haben am Bosphorus Cross-Continental Race teilgenommen, Daniela Schrank einmal, Ines Balcik stellt sich der Herausforderung 2014 schon zum dritten Mal.

Ca. 6,5 Kilometer durch den Bosporus schwimmen: Hattet ihr etwas Vergleichbares vor eurer ersten Teilnahme schon einmal gemacht? Was war an diesem Plan jeweils eure ganz persönliche Herausforderung?

Ines Balcik: So lange am Stück war ich vorher noch nie geschwommen, aber ich habe es schon immer geliebt, im Meer oder in einem See zu schwimmen. Und dann diese fantastische Strecke! Meine ganz persönliche Herausforderung war es, mir erst einmal das Kraulen* beizubringen. 
(*Kraulen ist keine Voraussetzung, mir war es aber wichtig.)

Daniela Schrank: In letzter Zeit beziehungsweise als Erwachsene habe ich nichts Vergleichbares gemacht. Ich bin schon immer gerne geschwommen, als Jugendliche war ich Rettungsschwimmerin bei der Wasserwacht. Damals, so mit 14 Jahren, habe ich einmal beim jährlichen Donauschwimmen mitgemacht. Das war im Winter, wir trugen Neoprenanzüge und mussten nicht wirklich schwimmen, sondern trieben mehr oder weniger den Fluss entlang.

Die Herausforderung beim Bosporusschwimmen war eigentlich das Training in den Wochen und Monaten davor. Ich war mittlerweile völlig ungeübt, bin zuvor nie mehr als 2.000 Meter geschwommen und vor dem offenen Meer hatte ich Riesenrespekt. Die Zusage, hierbei mitzumachen, war ganz spontan. So richtig darüber nachgedacht habe ich erst im Nachhinein. Von März bis Juli habe ich dann, meistens morgens vor der Arbeit, zwei- bis dreimal pro Woche trainiert. Hier dran zu bleiben, Distanz und Geschwindigkeit ständig zu steigern, das war meine persönliche Herausforderung.

Habt ihr euch vorher mit der Frage „Schaffe ich das überhaupt?“ auseinandergesetzt? Und hat euch die Möglichkeit, euer Ziel vielleicht nicht zu erreichen, Sorge gemacht?

Daniela Schrank: Anfangs habe ich kaum darüber nachgedacht, ob ich die 6,5 km schaffe. Ich habe einmal im Schwimmbad ausprobiert, ob ich eine Stunde am Stück schwimmen kann und wie weit ich dabei komme. Je näher der Termin dann rückte, desto mehr kamen die Zweifel. Direkt vor dem Termin war ich mit meiner Familie noch in Spanien. Hier merkte ich dann, dass es doch etwas ganz anderes war, bei Wellengang im Meer zu schwimmen, als im Schwimmbad meine Bahnen zu ziehen. 
Mein Ziel war eigentlich die Teilnahme am Bosporusschwimmen an sich. Also der Sprung ins Wasser dort. Die Möglichkeit, mich von einem der Begleitboote herausziehen zu lassen, habe ich mir immer offen gelassen. Sorgen habe ich mir so gesehen also nicht gemacht. Erst beim Besichtigen der Strecke am Vortag habe ich mir gedacht, wie ich eigentlich auf so eine bescheuerte Idee kommen konnte.

Ines Balcik: Wenn ich nicht fest davon überzeugt gewesen wäre, die Strecke schwimmen zu können, hätte ich mich gar nicht erst angemeldet. ;-) Das heißt nicht , dass mir keine Zweifel kamen, im Gegenteil. Aber ich habe mich von Anfang an aufs Ankommen konzentriert. Ich bin eine langsame Schwimmerin, aber grundsätzlich hartnäckig, wenn ich mir ein Ziel gesetzt habe. Die Vorbereitung auf ein Sportereignis macht mir einfach Spaß; Sorgen gibt es in anderen Lebensbereichen schon genug!

"Das Glück des In-Bewegung-Seins: Es hat sich einfach so ergeben (Ines Balcik)"

Wie bist du mit deinem Zweifel umgegangen, Ines?

Ines Balcik: Entweder komme ich an, dann ist sowieso alles gut (so war es 2011). Oder ich komme nicht an (2012), dann probiere ich es eben wieder (2014). Na und? Ich bin da ganz bei Beckett: „Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.“ Ich gebe einfach im Moment des Wettkampfs mein Bestes, mehr kann ich nicht tun. Zum Sport gehören Niederlagen genauso wie Siege – mit beidem umzugehen, habe ich in vielen Hobbysportjahren gelernt.

„Warum eigentlich?“ – Was war euer Antrieb, eure persönliche Herausforderung in Angriff zu nehmen?

Ines Balcik: Im Grunde fing alles damit an, dass ich überhaupt keine Lust hatte, meinen 50. Geburtstag bei Kaffee und Kuchen im trauten Heim zu verbringen. ;-) Da traf es sich gut, dass der Istanbul-Marathon 2010 genau auf das Geburtstagswochenende fiel. Mit dem Lauf von Asien nach Europa konnte ich verbinden, was mir am Herzen liegt: meine deutsch-türkische Familie, Entdeckerfreude und Spaß an sportlichen Herausforderungen. Marathon traute ich mir noch nicht zu, aber zum ersten Mal lief ich 15 km in einem Wettkampf. Das hat die Lust auf andere internationale Sportereignisse geweckt, mein nächstes großes Ziel ist der komplette Istanbul-Marathon im Herbst 2015. Bosporusschwimmen und World Masters Games liegen schon hinter mir, Dardanellenschwimmen und European Masters Games stehen bis dahin noch auf dem Programm. Das Glück des In-Bewegung-Seins: Es hat sich einfach so ergeben.

Daniela Schrank: „Warum eigentlich nicht?“ war die Frage, die ich mir gestellt habe. Ich bin gesund, kann einigermaßen gut schwimmen, habe Spaß daran, bin ein paar Tage in einer mir völlig fremden Stadt und habe liebe Mitstreiterinnen dabei - es gab eigentlich nichts, was mich davon abhielt, es zu versuchen. Und sollte ich irgendwann mal bei Günther Jauch bei „Wer wird Millionär“ sitzen, kann ich mich mit den Worten vorstellen: „Ich bin Daniela und bin von Asien nach Europa geschwommen.“ ;-)

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