Wandertypen (3): Der Motzige und der Verzweifelte

Wenn man gemeinsam auf Wandertouren unterwegs ist, lernt man Freunde und Bekannte vielleicht ganz neu kennen ... Welche Wandertypen in deiner Begleitung stecken könnten? Finden wir es in den nächsten Wochen heraus!

Unsere kleine, nicht zu 100 Prozent bierernst gemeinte Reihe zum Thema „Wandertypen“ wird die verschiedenen Arten diverser Wandervögel unter die Lupe nehmen und Hinweise darauf geben, wie man mit ihnen am besten zurechtkommt. Damit dir nichts und niemand die Wanderlaune verhagelt!

Der Motzige

Der Motzige motzt – es wird ihm nicht schwerfallen, auf den schönsten Routen dieser Welt etwas zu meckern zu finden. Die Wege sind ihm zu breit. Abgesehen von den schmalen Pfaden, die ihm nämlich zu schmal sind. Die Route ist zu beliebt, weswegen dem Motzigen hier viel zu viele Leute unterwegs sind, fast wie auf dem Rummel. Oder man sieht keine Menschenseele, was offensichtlich zeige, dass es mit dieser Tour doch nicht so weit her sei, wie die Wanderführer vorlügen. Die Sonne brennt zu heiß. Es ist nicht sonnig genug. Es gibt keine Einkehrmöglichkeiten. Es gibt zu viele Einkehrmöglichkeiten (wie auf dem Rummel, siehe oben). Die Landschaft ist zu malerisch, das macht sie kitschig. Sie ist nicht malerisch genug …

Es gibt nur genau eine Möglichkeit, den Motzigen auszuhalten (und nein, wir meinen selbstverständlich nicht, sich ihn an einer unbeobachteten Stelle vom Hals zu schaffen!): Seine Lamentos müssen im Geiste seiner Begleitung zu einem Teil des natürlichen Geräuschpegels werden, so wie Vogelgezwitscher, Rascheln der Blätter in den Kronen der Bäume oder das Säuseln des Windes. Wenn man es schafft, die Motzerei des Motzigen als ein einziges Hintergrundrauschen wahrzunehmen, ohne die einzelnen Worte zu hören – Bingo. Der Motzige ist jetzt einfach ein Wasserfall, das Rauschen der Baumkronen, ein plätschernder Bach – eine Naturgewalt, deren Geräusche nicht ins Bewusstsein vordringen. Viel Erfolg dabei!

Der Verzweifelte

Der Verzweifelte darf mit dem Motzigen nicht verwechselt werden. Beiden fehlt es während der Wandertour an Zufriedenheit, aber in ihrem Inneren spielen sich gänzlich unterschiedliche Szenen ab: Während der Motzige aus seiner wütenden Energie Antrieb schöpft, ist der Verzweifelte wahrlich – verzweifelt. Er traut sich nichts zu: Jeder Anstieg zu steil, jeder Weg zu lang. Das große Abenteuer „Draußen“ scheint ihn zu verschlingen – 350 Meter Luftweg von der nächsten Schnellstraße und 1,5 Kilometer von der nächsten Sanitäranlage mit fließend Wasser entfernt, scheinen gut ausgeschilderte Wanderwege in der Breite einer dreispurigen Autobahn doch ein gleichsam gefährliches Neuland wie Robinson Crusoes einsame Insel zu sein: Wer weiß schon, was hinter der nächsten, vom Forstamt gut gepflegten, Kiefer lauert?

Wie sich das überstehen lässt? Abkürzung suchen, den Verzweifelten erlösen und ihn beim nächsten Ausflug vor dem Fernseher parken. Vielleicht läuft gerade eine Urwald-Dokumentation – für Verzweifelte ist das genug Outdoor-Abenteuer.

Nächste Woche lernen wir kennen: den Überausgerüsteten und den Gar-nicht-Ausgerüsteten.

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