Wandertypen (2): Der Schleicher und der Raser

Wenn man gemeinsam auf Wandertouren unterwegs ist, lernt man Freunde und Bekannte vielleicht ganz neu kennen ... Welche Wandertypen in deiner Begleitung stecken könnten? Finden wir es in den nächsten Wochen heraus!

Unsere kleine, nicht zu 100 Prozent bierernst gemeinte Reihe zum Thema „Wandertypen“ wird die verschiedenen Arten diverser Wandervögel unter die Lupe nehmen und Hinweise darauf geben, wie man mit ihnen am besten zurechtkommt. Damit dir nichts und niemand die Wanderlaune verhagelt!

Der Schleicher:

Das Schöne am Wandern ist für viele Menschen, beim Gehen einen persönlichen Rhythmus zu finden, der ihnen beim Entspannen hilft (was der Gestikulierer übrigens regelmäßig zu verhindern weiß). Wenn die Begleitung aber ein ganz anderes Tempo geht als man selbst – deutlich langsamer ist, sodass man viel Konzentration benötigt, um sich selbst zu bremsen –, was dann? Definitiv verboten ist: antreiben, anschreien, anschieben, einfach allein vorlaufen. Deutlich klüger ist es: Die Tour mit dem Schleicher zu nutzen, um unterwegs zu erledigen, was man sich sonst nicht gönnt. Besonders viele Fotos machen und sich endlich zu der talentierten Naturfotokünstlerpersönlichkeit entwickeln, von der man schon immer hoffte, dass sie in einem steckt. (Vorsicht: Den Schleicher bei allen Fotoexperimenten natürlich schon einmal vorausschicken und später wieder einholen, sonst bringt das nichts.) Zwischendurch ein paar Gymnastikübungen einbauen, Rumpf- und Kniebeugen zum Beispiel. („Sag mal, bin ich dir vielleicht zu langsam, oder warum fängst du an, hier herumzuturnen?“ – „Aber nein, ich mache meine Rückengymnastik immer im Wald!“) Oder es machen wie freilaufende Hunde auf ihren Spaziergängen: Die rennen immer mindestens doppelt so viele Kilometer wie der ausführende Mensch, weil sie vor- und zurücklaufen, ihre Menschen mehrfach umkreisen und sich auch abgelegene Wegemarken ganz genau anschauen. Aber Vorsicht: Bitte den Vergleich mit dem lauffreudigen Hund nicht übertreiben. Wer an zu vielen Bäumen das Beinchen hebt, macht seine Begleitung endgültig misstrauisch!

Der Raser:

Wie so oft im Leben, alles ist Ansichtssache. Wenn die Begleitung ein deutlich höheres Tempo auflegen kann als man selbst: Ist dann der andere ein Raser – oder, oh Schreck, ist man vielleicht selbst ein Schleicher?! Nein, nein, man selbst ist nicht die Person, die bremst, die Begleitung ist einfach nicht in der Lage, ein entspanntes, angenehmes Tempo zu gehen! Das gilt für alle verkappten Duracell-Hasen, für alle von Burn-out bedrohten Überehrgeizlinge und für Leute, die einfach viel zu lange Beine haben! Wer mit einem Raser unterwegs ist, muss ihn ablenken: Ihn Fotos knipsen lassen, ihm Entspannungsübungen vorschlagen oder ihn einfach deutlich mehr Weg zurücklegen lassen („Guck mal, da hinten, der Stein: Der ist ja hübsch. Willst du dir den nicht mal aus der Nähe ansehen? Mach ruhig, ich gehe schon mal langsam weiter – ich hab früher schon mal Steine gesehen …“) Nein, nein, das alles macht die Begleitung des Rasers nicht zum Schleicher. Alles eine Frage der Perspektive …!

Extra-Tipp: Am besten schon vor einer gemeinsamen Tour individuelle Laufzeiten vergleichen – wie viel Zeit braucht man selbst und braucht der andere erfahrungsgemäß für eine Strecke? Beinlängen vergleichen könnte ebenfalls Aufschluss geben: Sehr große Menschen gehen einfach meist schneller als sehr kleine. Was kleine Menschen aber mit viel Training ausgleichen können. Dass sehr langbeinige Menschen mit viel Training mit eher kurzbeinigen und völlig untrainierten Menschen nicht dasselbe Tempo haben werden, ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Auf jeden Fall gilt: Möglicherweise wird man einfach nicht vollends glücklich miteinander, wenn der Laufschritt gar nicht zueinander passt. Gute Alternative dann: In Freundschaft unterwegs trennen und glücklich zur Einkehr wieder zueinander finden.

Nächste Woche lernen wir kennen: den Motzigen und den Verzweifelten

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