„Warum eigentlich?“ Christine Hutterer wandert mit Esel, Mann und Kleinkindern über Korsika

Foto: Christine Hutterer
Foto: Dr. Christine Hutterer

Warum sind Menschen bereit, ihre Komfortzone zu verlassen? 
Was treibt sie dazu an, sich Ziele zu setzen, die definitiv nicht ohne körperliche Strapazen zu erreichen sind? 
„Warum eigentlich?“ ist eine häufige Frage im Umfeld, wenn man von einer Herausforderung erzählt – sei es Wandern bis zur Erschöpfungsgrenze, Klettern auf Gipfel, die bislang unerreichbar schienen, oder Fernreisen zu Fuß oder auf dem Rad statt im Swimmingpool einer Hotelanlage zu relaxen. Wir möchten von Menschen, die sich ihrer persönlichen Outdoor-Herausforderung stellen oder gestellt haben, genau das wissen: „Warum eigentlich?“ 

Heute fragen wir: Christine Hutterer, Journalistin und Autorin („Ist das jetzt der Urlaub?“)

„Mich macht das Gefühl glücklich, etwas aus eigener Kraft geschafft und eventuell auch Ängste überwunden zu haben.“

Wie sah deine Herausforderung genau aus?

Ich bin mit meinem Mann, meinen Kindern im Alter von elf Monaten und drei Jahren und mit einem geliehenen Esel vier Wochen lang durch die Berge Korsikas gewandert. Der Esel trug einen großen Teil des Gepäcks und die 3-jährige Valentina, mein Mann trug meist den kleinen Silvester in der Kraxe und ich hatte noch einen großen (schweren) Rucksack.

Habt ihr euch vorher mit der Frage „Schaffen wir das überhaupt?“ auseinandergesetzt? Und was hätte es für euch bedeutet, die Tour vorzeitig abbrechen zu müssen?

Scheitern beginnt im Kopf! Nicht, dass man mit positiven Gedanken alles erzwingen könnte, aber die Einstellung dazu, ob etwas zum großen Problem wird oder nur ein kleines Hindernis ist, die ist entscheidend.

Wir haben uns intensiv mit der Frage des Scheiterns auseinandergesetzt – aber nicht im negativen Sinne. Wir mussten das auch, weil wir die beiden noch sehr kleinen Kinder dabei hatten und wir natürlich nicht einschätzen konnten, wie Outdoor-tauglich sie schon sein würden. Man selbst kann ja dann doch viel mehr wegstecken als ein Kind.

Christine Hutterers Buch über das Esel-Abenteuer: "Ist das jetzt der Urlaub?"
Christine Hutterers Buch über das Esel-Abenteuer: "Ist das jetzt der Urlaub?"

Allerdings hatte ich keine Sorge oder Angst davor, dass es nicht so klappen könnte, wie wir uns das ausgedacht haben. Wir hatten aber auch relativ wenig geplant und sind etwas naiv an die ganze Geschichte heran gegangen. Das war in gewisser Weise aber auch von Vorteil, weil wir sonst vielleicht gar nicht aufgebrochen wären. Immerhin haben wir auf dieser Reise so viele abenteuerliche, „grenznahe“, lustige und berührende Situationen erlebt, dass es für ein ganzes Buch gereicht hat!

Bei der Eselwanderung stand eindeutig im Vordergrund, dass es den Kindern gut gehen muss. Daher wäre es mir auch nicht schwer gefallen, die Tour abzubrechen, wenn es für die beiden Mäuse besser gewesen wäre.

Anders ist es bei Touren, die ich ohne Kinder mache. Im Juli 2014 möchte ich beispielsweise mit drei Frauen zusammen die Watzmann-Überschreitung machen. Das ist eine anspruchsvolle und vor allem lange Bergtour. Ich möchte das gerne schaffen, bin davon überzeugt, dass ist es auch kann und bereite mich vor. Da habe ich schon eine gehörige Portion Ehrgeiz, auch wenn der niemals überzogen ist. Daher fände ich es sehr schade, dieses Ziel nicht zu erreichen. Aber wenn einer aus der Gruppe oder ich selbst Probleme hat und wir aufgeben oder umkehren müssen, dann ist es eben so. Die Gesundheit und Sicherheit geht dann doch vor. Sorgen macht mir das aber auch hier nicht. Es ist ja noch immer Freizeit. Und der Berg läuft ja nicht weg!

 „Warum eigentlich?“ – Was war euer Antrieb, eine solche Herausforderung in Angriff zu nehmen?

Für die lange Wanderung mit dem Esel gab es verschiedene Antriebsfaktoren. Wir wollten gemeinsam als Familie etwas erleben, wir (also die beiden Erwachsenen) wollten auch körperlich aktiv sein. Ich wollte wissen, ob ich nach zwei Schwangerschaften und wenig Sport, Training und Kondition in der Lage bin, so etwas körperlich (und seelisch) durchzuhalten.

Für mich hat körperliche Belastung etwas Befreiendes. Ich habe keine Angst vor der Anstrengung, vor dem Schwitzen, vor der Erschöpfung – für mich ist es toll, mich selbst dabei auf andere Weise zu spüren und nur auf die grundlegenden Bedürfnisse des Körpers zu hören. Gerade beim Wandern oder Bergsteigen macht mich das Gefühl glücklich, etwas aus eigener Kraft geschafft zu haben, den inneren Schweinehund oder den kleinen zweifelnden Teufel auf der Schulter und eventuell auch Ängste überwunden zu haben. Und wenn ich es dann geschafft habe, an einem Gipfel stehe oder Kind, Kegel und Esel gut und sicher angekommen sind, dann kehrt eine wunderbare Ruhe ein. Für dieses Gefühl lohnt es sich, immer wieder loszuziehen.

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